Vor dem Bundesgerichtshof in Leipzig demonstrierten Ärzte, Unterstützer und Betroffene im Rahmen einer „Weißkittel-Demo“. Anlass war das Revisionsverfahren gegen den Nürnberger Arzt Dr. Wolfgang Urmetzer, der wegen des Ausstellens von Maskenattesten verurteilt worden war. Nach Darstellung der Redner fand sein Verfahren in Nürnberg ausgerechnet unter dem historischen Saal der Nürnberger Prozesse statt. Die Demonstranten kritisieren die juristische Aufarbeitung der Corona-Zeit und sehen Ärzte, die sich gegen bestimmte Maßnahmen stellten, bis heute unter erheblichem rechtlichem und beruflichem Druck.
Für die Teilnehmer bekam der Termin zusätzlich eine besondere historische Symbolik: Sie verwiesen darauf, dass der 20. August 2026 den 79. Jahrestag des Nürnberger Kodex markiere. Der nach den Nürnberger Ärzteprozessen formulierte Kodex steht bis heute für zentrale Grundsätze medizinischer Forschung und insbesondere für die freiwillige Zustimmung des Menschen. Dass unmittelbar vor diesem Jahrestag über den Fall eines Nürnberger Arztes verhandelt wurde, stellten mehrere Redner ausdrücklich in einen historischen Zusammenhang.
Im Mittelpunkt des Verfahrens stehen Fragen nach § 278 StGB, der Unterscheidung zwischen einer ärztlichen Bescheinigung und einem Gesundheitszeugnis, der Rolle der Telemedizin sowie der Frage, welche Untersuchungen vor Ausstellung eines Attests erforderlich waren. Mehrere anwesende Ärzte berichteten zudem von Hausdurchsuchungen, Strafverfahren, Approbationsentzug, beruflichen Konsequenzen und teilweise Haftstrafen im Zusammenhang mit ihrer Haltung während der Corona-Zeit.
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